(Foto: Jürgen Bauer)
LesART - Eine gemeinsame Veranstaltung von Buchhandlung Hutter, Volkshochschule und VR-Bank Donau-Mindel

!!! VERSCHOBEN !!!
Heribert Prantl: Zusammenleben, zusammenhalten.


Aufgrund der aktuellen Verunsicherung durch den Corona-Virus wird die Veranstaltung auf den Herbst verschoben. Den neuen Termin entnehmen Sie bitte unserem Herbstprogramm.


Heimat wird einem nicht von Amazon ins Haus geliefert. Man muss selber etwas dafür tun, man kann, man muss gemeinsam mit anderen werkeln und arbeiten – an einem gemeinsamen Projekt, an einer gemeinsamen Aufgabe. Heimat ist unsere kleine und größere Welt dann, wenn sie die Humanität des Lebens bewahrt. Dazu kann man selber beitragen. Man darf die Heimat nicht denen überlassen, die damit Schindluder treiben. Heimat ist kein populistisch-extremes Wort. Es ein vertrautes Wort, es gehört zu den schönsten Wörtern der deutschen Sprache.
Kann man mit diesem Wort Politik machen? Man kann. Es ist ja gewiss richtig, dass man das Wort Heimat nicht den Rechtsradikalen überlassen darf; der Gehalt des Wortes ist zu wertvoll. Es darf aber auch nicht sein, dass man das Wort nur als Etikett auf eine Politik klebt, die man eh schon immer gemacht hat.
Heimat ist etwas für alle Sinne – man muss frühzeitig lernen, die Sinne zu öffnen. Heimat wird lebendig, wenn sie einem vertraut wird, wenn sie einem ans Herz wächst, wenn man von ihr erzählen kann.
Die Menschen haben in einer getakteten Welt das Erzählen und  das Zuhören verlernt. Es wird überall und jederzeit nur noch gezählt, gerankt, evaluiert. Gezählt werden sogar die Dienste der Menschlichkeit. Pflege wird in Module getaktet; die Krankenschwestern in der häuslichen Pflege sind mit Zeiterfassungsgeräten unterwegs. Menschliche Begegnung wird aufgefressen von der Zähl- und Nachweisbürokratie. Das darf nicht sein.  Es geht um die gute Zukunft der Gesellschaft: Zusammenleben, zusammenhalten.. Der Respekt vor den Alten, der Respekt vor den Kindern und der Respekt vor den Menschen mit Behinderungen gehören zusammen. Dieser Respekt ist die Klammer, die das ganze Leben umspannt.  Er gehört zur sozialstaatlichen Demokratie. Wenn diese sozialstaatliche Demokratie gelingt, wird sie zur Heimat.
Heribert Prantl, geboren 1953, ist einer der bekanntesten Publizisten und Kommentatoren in Deutschland. Er war Richter und Staatsanwalt, bevor er 1988 als politischer Redakteur und Leitartikler zur Süddeutschen Zeitung ging. Er leitete dort 25 Jahre lang das Ressort Innenpolitik, dann baute er die Redaktion Meinung auf. Zehn Jahre lang war er Mitglied der Chefredaktion. Seit einem halben Jahr ist er Kolumnist und Autor der SZ. Prantl ist Honorarprofessor an der Juristischen Fakultät der Universität Bielefeld und Ehrendoktor der Theologie an der Universtität Erlangen. Er wurde unter anderem mit dem Geschwister-Scholl-Preis, dem Kurt-Tucholsky-Preis, dem Erich-Fromm-Preis und dem Brüder-Grimm-Preis ausgezeichnet.



1 Abend, 31.03.2020
Dienstag, 19:00 - 20:30 Uhr
1 Termin(e)
V020f
Forum am Hofgarten, Jahnstr. 2, 89312 Günzburg, Großer Saal, 1. OG
Eintritt:
12,00
ermäßigt: 10,00 € (Schüler/innen, Student/innen, Azubis und Schwerbehinderte) Kartenvorverkauf ab 03.02.2020: Forum am Hofgarten, Günzburg, Tel. 08221-3663-20